Zum Hauptinhalt springen

Archiv: No_Blog Beiträge

# 47 – Lichterfest, Sommer, Sonne, Sonnenbrand, Kleckerburg am Waldseestrand …

Dieser Beitrag erscheint am 13.8., dem Tag des Beginns der dreitägigen sommerlichen Lichterfeste.

Liebe Freunde,
erinnert ihr euch auch an Sommertage, angefüllt mit innerem Müßiggang, Regenschauern, Donnergrollen, gefolgt von frischem Wind und sonnigem Neuanfang?

Wir befinden uns mitten in solch einem Sommer. Die eigentlich heißeste Jahreszeit, auch dieses Jahr wieder mit kaum erträglicher Gluthitze vorhergesagt.
Aber nein, auch dieses Jahr hält sich der Sommer nicht daran. Das den Nachthimmel mit Feuer und leise zischenden Wunderkerzen erhellende Sommerfest mit hoffentlich unzähligen, flüchtigen Sternschnuppen, kann stattfinden. Keine extreme Brandgefahr, das Vergnügen des Ins-Feuer-Schauens und sich zu fortgeschrittener Stunde in Kaschmirtücher wickeln kann stattfinden.

Schon während der Vorbereitung kommen längst vergessene Sommererinnerungen in mir auf: kurze Freudenschauer, voll angenehmer nächtlicher Wärme. Dieser Artikel erreicht euch an einem solchen Tag: ein Tag, an dem das Wetter, der Himmel die Höhe des Sommers, der lauen Sommernächte mitfeiert. Lasst uns in diesen Lichterfesttagen den Klang dieses Sommers spüren, anstatt nach einer Bedeutung und seiner Einordnung zu suchen.
Genießt das nachklingende Glimmen einer Wunderkerze – oder die stille Luft vor einem Sommerregen. Hört am Abend auf die subtilen Geräusche der Sommerinsekten – kaum wahrnehmbar, aber dennoch sehr bewegend. Für mich sind es die Stimmen der Zikaden, Glockenkäfer und anderer saisonaler Insekten, die das Gefühl des Sommers wirklich in mir hervorrufen – mehr als jedes Kalenderdatum. Ihre Klänge sind wie akustische Erinnerungen, schwebend zwischen Gegenwart und Nostalgie.

Gerade bin ich von einer kurzen Reise, prall gefüllt mit solchen Sommerabenden, zurückgekehrt.
Es war eine Rückkehr zu vertrauten Orten, obwohl ich dort nie selbst gelebt habe. Eine Zeit voll neuer Begegnungen und stiller Entdeckungen – Samen, die in mein nächstes Buch einfließen und die Zukunft von „the happy body“ prägen werden. Die eine ruhige Verspieltheit, Stille und Würde in sich tragen. Und keinerlei, wie auch immer gearteten, Widerstand gegen Sommerregen oder was sonst ansteht – eher eine Umarmung dessen.
Meine wenigen Tage im vergangenen Schlesien waren reichhaltig. Ich besuchte erneut die Straßen, die meine Ahninnen einst ihr Zuhause nannten. Die Atmosphäre hatte etwas unverkennbar Kraftvolles – lebhaft, seltsam und auf wunderschöne Weise unausgesprochen. Eine alte Bekannte, die wieder dort lebt, balanciert noch heute ihr tägliches Leben mit leidenschaftlichem, freudigem Engagement für ihre eigene Art, dort zu leben, dort sein zu dürfen. Unser Treffen hat etwas in mir weich gemacht – sanft und tief. Auch wenn diese Reise zu Ende ist, hallt ihr Nachglühen noch immer in mir nach – leise und erkenntnisreich.
Auf wunderschöne Weise trug diese Sommerreise in die Vergangenheit eine Vorahnung des kommenden „the happy body“ – dem neuen „Bewegungsfreude-Institut“ – in sich: Harmonie, die entsteht, wenn scheinbar gegensätzliche Elemente nebeneinander existieren und miteinander in Austausch, Resonanz treten.

Vielleicht ist das die Essenz der sommerlichen Lichterfeste – ein Ort, ein Raum, in dem Harmonie nicht aus Gleichförmigkeit entsteht, sondern aus dem sanften Zusammenkommen von Gegensätzen: Vergangenem und Heutigem, Tradition und Wandel, Intensität und Ruhe.
Feiert euer Sommerfest in diesem wunderbaren Sommer – einer, der nach sehr vollen, bewegten Jahren endlich auch wieder bei mir angekommen ist.

Bleib natürlich, bleib bei dir. Ich freu mich auf dich!

# 46 – Ende? Wende! Änderung.

Liebe Bewegungsfreude-FreundInnen,
vor ein paar Tagen haben wir die diesjährige Sommersonnenwende hinter uns gebracht. Sie ist der längste Tag und die kürzeste Nacht des Jahres – ein Moment, in dem die Sonne am höchsten steht und die Natur innehält, bevor sie sich sanft, ihrem Lauf folgend, wandelt.
Die Bäume sind üppig, der Himmel ist weit offen, die Luft ist voller Leben. Doch schon während das Licht seinen Höhepunkt erreicht, spüren wir eine beginnende, lastende Ruhe – ein subtiles Zeichen dafür, dass Wandel naht und die große Wärme des Sommers in ihrer Spur bereits die nächste Jahreszeit in sich trägt.
Zur Sommersonnenwende zweitausendfünf wurde die Idee zu meinem Bewegungsfreude-Institut*, diesem unglaublich kreativen Entwicklungsraum, geboren. Seit seiner Eröffnung ist dieser Raum – dank euch – erfüllt von Begegnungen, gemeinsamen Momenten und unglaublicher persönlicher Entfaltung.
Nun, zwanzig Jahre später, am Tag der Sonnenwende, schien mir ein weiteres Kapitel auf dem gemeinsamen Weg abgeschlossen. Behutsam und mit Dankbarkeit.

Ich danke allen, die bis hierhin Teil dieser Reise waren.

In den nächsten Monaten werden nicht nur mein zweiter und dritter Körperroman erscheinen, es wird auch Zeit, nachzudenken, die weitere Zukunft zu träumen und die nächste Version unserer Begegnungen zu gestalten.
Ich hoffe, euch im späten Herbst eine Freude mit der Neuorganisation der Möglichkeiten eurer Teilhabe an Impulssetzung und Potenzialentfaltung – vor allem euch langjährigen Weggefährten – bereiten zu können. Natürlich bleibt das Kernthema meines Tuns: lernen dürfen, sich entwickeln und wachsen.
Ich freue mich darauf, euch einen neuen, feingestimmteren Raum für Inspiration und Möglichkeiten zur eigenen Entfaltung anbieten zu können.
Bis dahin bleibt alles wie gehabt, wir bleiben in den bekannten, bewährten Strukturen in Verbindung.

Bleib natürlich, bleib bei dir. Ich freu mich auf dich!

* Die Geschichte meiner freiberuflichen Tätigkeit begann unter dem Namen „Nachhaltiges Erfolgstraining“, wurde nach zunehmendem Gebrauch/Missbrauch des Wortes „nachhaltig“ erst zum „Studio ST“, ehe es sich zum derzeitigen „Bewegungsfreude-Institut“ entwickelte.

# 45 – Der Mai ist da – mit ihm die schönsten Morgen im Garten

Das Laub ist frischgrün, überall blüht und zwitschert es, vor allem am Morgen … herrlich. Die Hummeln und Bienen brummen und summen in den ersten, den Garten erreichenden Sonnenstrahlen. Ruhende Reiher sitzen noch in den Bäumen. Meine Füße laufen durch kühlen Tau, der Kaffeebecher wärmt die Hände. Im aufgehenden Sonnenlicht kann ich Rehe, Füchse, Hasen, Schnecken … sichten – oder ihre Spuren der Nacht.
Dieser Zauber passiert jeden Morgen, auch an verregneten. An denen bestaune ich dicke und dünne, schnelle und langsame, kurze und lange Regenwürmer, die Höhe der Maulwurfshügel oder einen Regenbogen.

Fast würde ich meinen: wie uncool, so letztes Jahrtausend. In einer sich zunehmend schneller drehenden Welt, in der Gesetze, in einer von Behörden und realem Leben nicht umsetzbaren Taktung, erlassen und wieder geändert werden, Straßenbaustellen endlos ineinander übergehen und Dreißigerzonen für Autos, wohl aber nicht für Fahrradfahrer gelten.
Eilende Radler, rechts überholend, ohne Mindestabstand beim Überholen – oder gilt der, wie viele andere Regeln nur für die anderen Verkehrsteilnehmer? Warum dürfen sie Kopfhörer im Verkehr tragen? – Kreuz und quer schnippend, über Fußwege und Straßen, sind sie zu meiner ausdrucksstarken Impression der heutigen Welt geworden. Eine Welt, in der vieles kopfzustehen scheint, vielleicht weil noch der Glaube vorherrscht, wir lebten in einem Weltspitze-Land? Der Realitätscheck weist längst auf hinteres Mittelfeld oder gar Entwicklungsland. Daran ändert auch „wishful thinking“ nichts.

Mein Garten und ich mittendrin. In diesem deutlich wahrnehmbaren Unterschied zwischen sein-wollen und Sein. In meinem Garten steht nichts Kopf, er gehört einer anderen Zeit, einer anderen Welt an. Er ist Oase der Ruhe, des kontinuierlichen Werdens, vor allem am Morgen. Jeden Tag wieder, besonders im Mai.
Nach erholsamem Schlaf finde ich in ihm zurück in die Welt und den beginnenden Tag mit seinen natürlichen Abläufen. Sie geben mir Kraft für den kommenden Tag, ergreifen einfach so Besitz von mir.
 Die Hühner bekommen ihr Futter, die Vogeltränke wird neu befüllt – erste geflügelte Gäste nehmen sogar ein morgendliches Bad, neue Blüten werden entdeckt und ausgiebig bestaunt.

Das seit wenigen Jahren hörbare „Wasserfallrauschen“ der ununterbrochen auf der Autobahn rollenden Reifen – gekommen durch das aus Sicherheitsaspekten notwendige Fällen aller großen Dorflinden und alten Bäume im Umkreis – war der erste Eindringling, der sich durch den geförderten Ausbau des nahegelegenen Industriegebiets, zu einem stetig lauter brüllenden „Wassertosen“ entwickelte … und neue Eindringlinge im Schlepptau hat … Der Zugriff der Wasser- und Energielieferanten auf die Verbrauchszähler kann jederzeit digital erfolgen, die neue Heizung hat so viele Displays, dass selbst der Monteur etliche Stunden braucht, um sie zu verstehen. Elektronische Post und Nachrichten kommen mittlerweile auch akzeptabel zuverlässig den ganzen Tag – nur das Abwasser, das ist noch nicht digitalisiert, noch nicht mal verlegt … soll wahrscheinlich in den Zweitausenddreißigern kommen, oder später …

Das Reinfüllen, Eintrichtern, Überfluten, das klappt fast immer.
Das Sortieren, Verarbeiten und Output generieren, das müssen wir selbst tun. Selbst beim Digitalen, hilft der gepredigte KI- und Digitalisierungshype nur, wenn wir uns vorher selbst organisieren lernen. Weder Fehlanreize noch eingefahrene, uneffektive Abläufe werden automatisch durch neue Technologien besser. Es liegt an uns selbst, wie wir KI und Digitalisierung nutzen.

So du nach Input zur kultivierten Selbstorganisation für dich suchst: In meinem Buch „Bewegungsfreude in Hirn, Herz und Körper“ findet Tom in seinem Fachkapitel sehr klare Worte mit seiner Erfolgsformel für Einsteiger: 2+3 = 5.
Ich nutze noch heute Toms verkürzte Erfolgsformel für Langzeitanwender: 2+3 täglich. Gleich nach meiner morgendlichen Gartenzeit angewendet, ist sie mein stetiger Begleiter.
Beides zusammen am Morgen gibt mir Zuversicht und versöhnt mich mit den Zumutungen und der Schönheit der Welt. Alles wird, alles vergeht und kommt – verändert – wieder.

Wonnemonat-Mai-Grüße, bleib natürlich, bleib bei dir!

# 44 – Nach dem Törn: Leute macht das Licht aus

von: Yve, Tom und Einstein
Yve (die Körperarbeitsexpertin in den Körperromanen)
Tom (der rationale, hirnlastige Wissenschaftsjournalist …)
Einstein (Spitzname der Herzens-Person … – für ihn ist „Schönheit ein Zustand des Herzens“)

Die Nacht hatte sich, weit draußen auf See, über der Alex-2 niedergelassen und dichten Nebel mitgebracht, der sofort jedes Geräusch schluckte. Kaum vorstellbar, dass das unser liebster Zustand bei der 8–12-Wache am Abend werden sollte.

Wenn es gegen zweiundzwanzig Uhr dunkel wurde, freuten wir uns auf den Sternenhimmel, die wenigen Lichter anderer Schiffe und die endlose Weite bis zum Horizont. Die Dunkelheit und Stille der Nacht, ein mittlerweile rares Luxusgut für uns Landratten, wollten wir vor allem im Ausguck, mit seiner prädestinierten Position ganz vorn auf dem Schiff, suchenden Auges nach erkennbaren Hindernissen, genießen. Sternzeichen zuordnen, Wünsche bei Sternschnuppen freigeben. Nicht, dass wir noch offene Wünsche hätten – aber dieses Spiel ist zu schön und erfreut uns alle drei bis heute.

Aber was war das?
Die Heerscharen blinkender Lichter bis zum Horizont – Steuerbord und Backbord neben dem Schiff?
Die schnell auf einer Flugbahn fliegenden Sterne, die die klassischen Sternbilder durchflogen?
Es war ein Schock, die großen Windparks bei Nacht, in Küstennähe die Leuchtglocken der Städte und die unzählbaren Satelliten ihre Flugbahnen ziehen zu sehen. Wie sollen Zugvögel ihren Reiserouten folgen, ihre Ziele ansteuern und finden können? Die Lichter nicht für festes Land und Lebensraum halten?
Traurig, aber wahr: Selbst auf der Nordsee gibt es jetzt Arbeit für Chronobiologen – nicht nur Lichtdesigner und Techniker sollten sich mit der Warnbeleuchtung für Windräder befassen! Ganz zu schweigen von der Be- und Ausleuchtung von Städten und Dörfern – sicher nicht nur in Küstennähe.
Haben Pflanzen einen Tag- und Nachtrhythmus? Haben und brauchen sie Ruhephasen, die wir ihnen durch das ständige Licht nicht mehr ermöglichen? So viele Fragen und fehlende Antworten.
Wäre „Licht aus“ für einige Nachtstunden eine praktische Antwort? Für alle – Menschen, Pflanzen und Tiere? Vielleicht braucht es dann weniger blinkende Windräder zur Stromerzeugung?
Wäre es eine Möglichkeit, selbst wieder mehr nachzudenken, unsere eigenen Energiereserven anzuzapfen – statt ständig die Suchmaschinen und KI zu befragen? Sollten wir lieber Suchmaschinen verwenden, die nicht gleich KI-Antworten mit auflisten – KI benötigt deutlich mehr Strom, als eine reine Suchmaschine? …

Du siehst, wir hatten in den Nächten auf dem Schiff auch Gedanken, die wir uns lieber nicht machen wollten, die einfach aufkamen – wie der Nebel.
Wir geben dir auch diese Gedanken weiter und sagen: Bei aller Digitalisierung, vergiss dein eigenes Hirn nicht. Und bitte, denk dabei nicht nur an die noch weitgehend unerforschten Möglichkeiten des nicht rücksetzbaren Sonnenverdunklungs-Geoengineerings, sondern gern auch an das persönliche Vermeiden unnötigen Stromverbrauchs. Weniger erzeugen müssen, hilft enorm, auf vielen Ebenen. Dir fällt da bestimmt noch weit mehr als das von uns oben Beschriebene ein. Das wär ein Traum!

So rufen wir dir in diesem No_Blog zu: Leute, macht „das Licht“ öfter aus und euer mehr Hirn an!
Für mehr Bewegungsfreude in Hirn, Herz und Körper 😉

Die Landratten Yve, Tom und Einstein,
die demnächst mehr über ihr Schreibprojekt bekannt geben. Das hier Geschriebene lag erst mal mehr und drängender am Herzen.

# 43 – hier nochmal Einstein, noch immer auf dem Törn

von: Einstein (Spitzname der Herzens-Person in den Körperromanen – für ihn ist „Schönheit ein Zustand des Herzens“)

Hallo, treuer Leser, sei erneut herzlich gegrüßt.
Diesmal bin ich sehr optimistisch und sogar ein klein wenig überschwänglich.

Uns dreien – und allen anderen – geht es an Bord des grünen Seglers fein, wir kommen gut voran.
Wir sind voller Ideen für unser Dreier-Buchprojekt. Yve hat schon die erste Fassung ihres Buches runtergeschrieben – Chapeau!
Es soll schon in diesem Herbst erscheinen. Unter strenger Androhung eines Platzverweises – aktuell ist kein Land in Sicht – verrate ich lieber noch nichts Neues.
Yves „Rotes Buch“, das von Tiktak-Omchen, scheint eine Hauptrolle zu bekommen – aber das weißt du ja schon. Was jedoch Yve noch nicht weiß: Sie wird wohl noch ein Buch schreiben müssen. FaulenzerInnen dulden Tom und ich im Sabbatical-Jahr nicht, da sind wir zwei uns einig.

Wie wir unterwegs sein werden, steht fest. Wo, ist noch offen. Das müssen wir zu Hause mit unseren Familien beratschlagen. Es läuft auf ein klitzekleines Häuschen an einem abgelegenen Bootssteg hinaus, an dem die Anreise und Törns mit meinem Boot möglich sind.
Tom und ich wollten gern auf ein modernes Hausboot. Yve legte vehement ihr Veto ein. Sie sagt: Es ist wie in einer Fischkonserve. Wenn draußen kalt, dann drinnen kalt, wenn draußen warm, dann drinnen unerträglich. Selbst wenn ich mein Segelboot mitbringe – wir würden wohl nur dort sein. Es ist aus Holz und würde für drei genügsame Menschen ausreichen. Drei, die ein Jahr darauf leben und arbeiten wollen – dafür ist uns unsere Freundschaft zu wertvoll.

Und natürlich werden wir gelegentlich Familienwochen einplanen. Da können alle anreisen und wir haben mal kurz Abwechslung und Abstand zum Geschriebenen, können danach wieder mit frischem Blick einsteigen.

Das klingt alles sehr, sehr fein. Sich mit Freunden in gelebtes Leben eingraben und im besten Fall kommt für jeden ein roter Faden für die nächsten zwanzig Jahre raus. Länger geht nicht. Dann sind wir um die achtzig Jährchen und das „Krampfadergeschwader“ muss endlich die Alpen erkunden – wisst ihr ja auch bereits.

Ahoi, Landratte, sei gegrüßt und bleibe neugierig!
Einstein

Das Segelschulschiff Alexander von Humboldt segelt vor der Insel Gomera im Atlantik.
Foto: Maurizio Gambarini/dpa

# 42 – Einstein hier – es hat geklappt. Erste Meldung vom Segeltörn mit Yve und Tom

von: Einstein (Spitzname der Herzens-Person in den Körperromanen – für ihn ist „Schönheit ein Zustand des Herzens“)

Hallo, treuer Leser, sei gegrüßt. Du hast hergefunden – dank deiner Neugier.
Das freut mich. Neugier ist gut, sie zeigt dir deine Interessen.

Mich wiederum findest du hin- und hergerissen vor.
Was soll ich dir schreiben? Eine Nachricht über Yve und Tom?
Nein, nein. Viel lieber schreibe ich dir vom Zauber des Segelns.

Der magische Zauber des Segelns tritt in der Zwischenwelt von Land und Wasser in mich ein. Jedes Mal wieder. Er hat mich als Kind in seinen Bann gezogen, seit ich das erste Mal auf den Masuren ein Segelboot betrat. Obwohl es nicht einmal ablegte, wie mir später erzählt wurde.

Damals betrat ich eine mir völlig neue Welt. Jenseits meiner langen, streng geregelten Tage als Sohn einer Familie „von“ Rang. Schon die aufwändigen Vorbereitungen hatten es in sich und steigerten die Vorfreude von Tag zu Tag. Ich lernte, Listen mit den einzupackenden Dingen anzulegen und die noch zu besorgenden, die zu erledigenden Dinge und Aufgaben nicht zu vergessen. Wem konnte ich den Hühnerstalldienst anvertrauen? Wer würde am Bach nach Schwemmgut schauen? Was war wichtig mitzunehmen? Und letztendlich das große Finale: das Packen des Seesacks mit den notwendigen Sachen, die gleich an Bord in der engen Koje verräumt werden mussten.

So auch diesmal: Die wenigen Sachen sind verstaut, der Seesack ist zusammengerollt als Kissen bereit, meine zwei Kaschmirdecken sind als Schlafkokon gefaltet, fertig. Kein Gut zu verwalten, kein Haushalt zu betun, kein vollendet gedeckter Tisch zu jeder Mahlzeit. Jedes Mal erfasst mich dieses Glück der Freiheit „von“ Neuem.

In meinem Glücksrausch auf See verrate ich dir das, mir damals den Namen Einstein verleihende, Ereignis. Es ist eng mit dem Segeln verbunden. Und DER Einstein soll auch ein aktiver Segler und bei Interesse ein guter Beobachter gewesen sein.
Also, ich beobachtete damals während des Einziehens in meine kleine Kajüte, dass die getaktete Zeit einfach so aussetzt. Während sich gleichzeitig der Raum – an sich sehr begrenzt in einer Kajüte – ins Unendliche weitet. Ein absolut unfassbares, unerforschtes Phänomen, bis heute weitgehend unbekannt geblieben. Es gibt nur noch helle und dunkle Tageszeiten, gelegentlich etwas zu tun, in und mit den Elementen – und dem knurrenden Magen. Ich habe meinen Eltern oft davon erzählt, dass die Zeit auf dem Boot so anders war, so endlos, und doch vergingen die Tage wie im Flug. Ich glaube bis heute, ich konnte mich nicht verständlich machen – zu meinem Leid und Stolz. Sie riefen mich seitdem Einstein. Was die Runde machte und mich bis heute begleitet. Mein Ego fühlte sich damals für lange Zeit – nachdem ich nachgelesen und geforscht hatte, wer DER Einstein war – sehr geschmeichelt.

Beobachten, Bestaunen, die großen Zusammenhänge besser respektieren lernen, das ist bis heute mein wichtigstes Tun an Bord. Während dieser Bootsstunden bin ich am dichtesten bei mir.
Gischt, perlmuttschimmerndes Dunstgewaber, das sich schlagartig auflöst oder dichter Nebel werden kann. Sonnenstrahlen, die den Nebel langsam zerteilen, durchdringen. Dann taucht Welt auf, formt sich. Was ist als Erstes zu sehen? Ein Küstenverlauf? Das Schiff aus dem Radar? Wie sieht es aus?
Oder, im hinzunehmenden Kontrastprogramm: starker Regen, aufkommender Sturm, alle Planungen sind über den Haufen geworfen. Wo ist der sichere Hafen? Wo liegt die Route zum Umfahren des Wetters?

Mit jedem ersten Fußaufsetzen aufs Deck werde ich zum Entdecker der Umgebung und meiner selbst. Hebe den Kopf, schaue in die Weite, die Zeit wird dickflüssig, beginnt stillzustehen. Blickwinkel und Perspektiven bewegen sich, werden schwankend.
Ich bin der kleine, seine verpflichtungsfreie Zeit genießende Junge auf den Masuren und am Pommerschen Meer. Der das ‚von‘ im Namen hat – und zugleich der bejahrte Mann, der sich dieses Wörtchens entledigt hat und sein eigenes, selbstbestimmtes Leben führt.
Bis heute weiß ich diese erfrischende, für mich einzig wahre und mögliche Art, unterwegs zu sein, zu leben, sehr zu schätzen. Selbst die kalten, nassen, dunklen Nächte auf See, ohne das Strahlen und die endlose Weite des Firnaments, tragen diesen Segelzauber tief in sich.

Ich bin gespannt, ob Yve und Tom, ob ihr mir in diese Welt folgen könnt. Teilen wir mittlerweile doch schon einige Welten, jeder aus seinen eigenen Universen kommend.

Einen Sport oder Wettkampf gegen die Zeit oder die Elemente können sie jedenfalls nicht draus machen. Da habe ich vorgesorgt. In weiser Voraussicht habe ich den Großsegler mit über einhundert Leuten an Bord gewählt. Hier gibt es nur: Einführung in althergebrachte, klassische Segelroutinen und Einfügen in die Gegebenheiten, statt fix optimierte Grünschnabel-Regatta- und Championship-Ambitionen.
Fast möchte ich mir zufrieden auf die Schulter klopfen – aber Schluss für diesmal, aus der Kombüse weht ein lockender Duft herüber.

Ahoi, Landratte, drück uns die Daumen für gutes Gelingen!
Du hörst nochmal von mir,
Einstein

Foto: ALEXANDER von HUMBOLDT II