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Archiv: No_Blog Beiträge

# 52 – Tom: Wie sind wir angekommen im Sabbatical-Quartier?

 … einem einsamen, alten Bootshaus weit, weit draußen auf einer kargen Landzunge

Der Nebenbeieffekt der Lage: perfekt fürs Schreiben.
Der nächste Ort: siebzig Landkilometer oder mehrere Stunden mit dem Boot übersetzen.
Die Mobilfunkabdeckung: dürftig.
Die Natur: atemberaubend.
Ein Flecken Land, der den seltenen Luxus der Stille und nächtlichen Dunkelheit bietet – wenn das Feuer gelöscht und die Milchstraße von Wolken verdeckt ist.

Wie Einstein diesen Ort wohl entdeckt hat?
Wusste er schon vor unserem Test-Segeltörn mit der ‚grünen Lady‘, dass wir hier landen werden?
Das werde ich ihn morgen als Erstes fragen, wenn er zum Frühstück aus seinem kleinen Segler auf den Bootssteg springt.

Bis dahin wird mich wohl der spätabendliche Satz von Yve: „Wir können nicht verbergen, wer wir wirklich sind“, beschäftigen. Was hat sie wohl damit gemeint?
Spielte sie nochmal auf meine linientreue ostdeutsche Militärfamilie mit ebensolcher Familiendisziplin an? Letztendlich meine Extremsport- und Arbeitsdisziplin? Hat das wirklich was miteinander zu tun?
Einerseits, mein Kopf ist schon ständig voller neuer Ideen, die es zu entdecken, zu ergründen gibt, andererseits sortiere ich diesen Gehirnfasching mit eiserner Disziplin und verfolge die  konsequent, bis erstklassige Veröffentlichungen dazu Geld in meine Kasse spülen.
Es ist schon so, dass ich mich dafür mit fester Entschlossenheit anstrenge, um mich dann nicht mehr ablenken zu lassen und das einmal gesteckte Ziel nicht mehr zu verfehlen; selbst wenn klare Korrekturen auf dem Weg nötig sein sollten.
Meint Yve das?
Aber ich bin doch der, der mit dem Auto hergekommen ist –sie hatten die genussvollen Extremanreisen in ihren Lieblingselementen – Einstein den Segeltörn übers Wasser und Yve das Eintauchen in die Luftanströmung der kräftigen Ozeanbrise auf ihrem Rad.
Ich als Läufer hatte Pause und war nur das Begleitfahrzeug der beiden, mit dem Gepäck und zwei Ersatzfahrrädern (Einsteins und meinem) auf der Ladefläche. Ist das auch meine Disziplin gewesen?

Aber, wenn ich ehrlich bin, ich habe die Fahrt im Offroad-Modus meines exklusiv motorisierten Allradgeländewagens abseits jedes Weges, geschweige denn einer Straße, extrem genossen. Das Austesten der Technikgrenzen im Spiel mit meiner Reaktionsfähigkeit und meinem Können, das hat was. Ist fast wie beim Laufen.
Mein kleiner Allrad-Muli musste mit hierher! Falls es mal dröge wird, kann ich kurz damit raus und bekomm’mein Adrenalin.
Genau wie mit meinen Sportwagen. Da die Drift in den Kurven zu genießen, ist fast noch besser, und dieses Glück kann man auf dem Weg zur Arbeit genießen, das nenn’ich Effizienz!
Wie auch immer: Ich freu’mich auf die Muli-Besorgungs- und Tankfahrten in die Zivilisation.

Nicht zu vergessen: Ich freu’ mich wie Sau auf die lange Zeit mit Yve und Einstein! Und auf die gelegentlichen Besuchstage unserer Familien.
Und natürlich: Ich bin gespannt auf mein Nicht-Fach-Buch.
Ihr auch?

© GST – the happy body

# 51 – Tom hier, schon wieder Ostermontag

Wenn die Tage länger werden und das Licht zurückkehrt, verspüren wir den Drang, aufzuräumen, zu entrümpeln und neu anzufangen. Jedoch nicht alles, was kleine Defekte oder Gebrauchsspuren aufweist, muss weggeworfen werden – manche Stücke brauchen einfach nur ein wenig Zuwendung – sagte Einstein gestern bei meiner Ankunft bei unserem Schreib-Sabbatical-Jahr zu mir.

Und ergänzte kurz darauf: Ich sollte mich mit „Sashiko – Sichtbarem Ausbessern“, einer traditionellen japanischen Technik, mit der Textilien ausgebessert, verstärkt oder kunstvoll verziert werden, beschäftigen. Mit einem einfachen Laufstich und ohne Vorkenntnisse würde man bei „Sashiko“ das Ausbessern lernen – genauso sollte ich schreiben. Einfacher Füller und weißes Papier zum einfach Loslegen, einen Buchstaben nach dem anderen. Nicht wissen, wo der Text hingeht, nicht wissen, wo ein Absatz sein muss, nicht wissen, ob es so richtig oder gar gut wird. Keine Tech-Tools, die würde ich nur zu gebuchten Medienzeiten für maximal eine Stunde am Tag bekommen. Die erste Stunde bräuchte ich dann auch gleich für meinen Ostermontag-No-Blog-Artikel.

Ja, geht es noch? Spinnt der?

Einen Kinderfüller und einen Pack weißes Office-Papier hat er mir gleich noch in die Hand gedrückt, der Vogel.
Nun sitze ich und schreibe mit Füller von Hand, um den Wert von Sorgfalt und Handwerkskunst wiederzuentdecken; um damit meinem Sohn – einem Kaffee-Artisan-Nerd, dem es das Wichtigste auf der Welt ist, die allerbeste Bohne zu haben und aus dieser mit der allerbesten Maschine und der allerbesten Technik das Allerbeste herauszuholen – näher zu kommen.

Mann, das ging ja einfach raus, aus dem Füller, meiner Hand und mir. Das Thema habe ich mir ganz heimlich für das Sabbatical-Jahr und mein Buch vorgenommen. Der Füller von Einstein knallt es einfach aufs Papier. Und nun steht es dort. Ich habe keinen Tintenkiller … ihr merkt sicher schon, ich bin sofort angefressen, angenervt. Von ihm. Meinem Sohn. Veit. Von seiner Art und dem hochverfeinerten Besserwissergetue dieser ganzen Generation. Was wissen die denn schon!

Ich geh’ erst mal eine Runde schwimmen und hinterher gleich noch laufen. Der Kleine bringt mich immer gleich auf die Palme.
Einstein meint, in Verteidigungsstellung, und ich sollte ihn nicht immer der Kleine nennen. Er ist fast vierzig Jahre und so groß wie ich.

Und noch mehr, on top: Beide, Yve und Einstein, empfehlen mir für das Auszeitjahr: Back to the roots.
Also erst die, für mich völlig bescheuerte, Militärtradition meines Vaters und Großvaters versuchen zu verstehen – der ich mich nie öffnen konnte und der sich mein Sohn regelrecht verweigert.
Als Bindeglied zwischen den Alten und dem Kommenden soll ich die Geschichte, die Prinzipien und die Muster deren jahrhundertealter militärischer Ehrenpraxis ausgraben, versuchen, die Logik dahinter zu verstehen und den Alten damit näher, hoffentlich nicht zu nahe, kommen. Wenn ich mit den Alten ins Reine käme, könnte das erst Grundlage für beruhigende, gemeinsame Erfahrungen, die Freude und Verbundenheit zwischen mir und Veit schaffen.
Einstein meint, an dieser Stelle sollte ich vielleicht die Worte „aufblühende Beziehung“ verwenden … oh Mann, das wird hart – meine coolen Wissenschaftsartikel gehen mir sehr viel leichter aus dem Hirn in die Tasten. Darum vielleicht der Füllertrick?

Ok, ich bin voll und ganz gewillt. Beginnen werde ich morgen mit dem erneuten Lesen von Tolstois „Krieg und Frieden“. Das war schon in der Schule Pflichtliteratur, ich hab’ in Erinnerung: Russland bereitet sich auf den Krieg gegen Napoleon vor und beruft die jungen Männer zum Heer ein. Ihr Abschied von den Familien überschattet das gesamte gesellschaftliche Leben. Insgesamt eine Mischung aus historischem Roman und militär-politischen Darstellungen der damaligen Zeit, beginnend 1805. Und ein Thema, das unsere Gesellschaft aktuell beschäftigt: Verteidigung. Bei dem ich mal wieder völlig anderer Meinung als Veit bin. Wir schweigen darüber. Wie über so vieles. Das will ich ändern. Wir müssen ja nicht einer Meinung sein. Schön wäre es aber, wenn wir uns darauf zu bewegen würden. Gern Lebenslang, da bleibt es spannend.

PS: Yve sagt, die Wissenschaftlichkeit ist meine Flucht vor der nicht wirklich aufgearbeiteten Vergangenheit. Da ich die schon gewählt habe, blieb Veit nur die heutige Nerd-Handwerkskunst.
Bestimmt hat sie recht, ich verstehe es nur noch nicht.

PPS: Ihr lest jetzt jeden Monats ersten hier von mir. Wenn es wirr wird, habt bitte Nachsicht, ist (noch) nicht mein Fachgebiet. Ich bleib dran, ihr kennt mich. Auf mich ist Verlass.

© GST – the happy body

# 50 – Es ist vollbracht: Abtauchen, Eintauchen zum und im „the happy body“

Ich hatte schon mehrfach im Leben die Entscheidung zu treffen: ob ich das weitermache, was ich möchte, oder nicht mehr das zu tun, was ich möchte.
Möchte ich „hands on“ oder mit Schreiben die Hirne, Herzen und Körper meiner Kunden oder Leserinnen erreichen und in Bewegung bringen?
Möchte ich eine „Wasserglas-Lesung“ mit Moderation von der Bühne (wie die Bewegungsfreude-Premierenlesung) oder ein „samstägliches Kaffeegeplauder“ mit gelegentlich eingestreuten Buchabschnitten und individuellem Austausch in behaglicher Atmosphäre?
Möchte ich ein Institut bleiben oder heißen, wie es die Wirkung in den Menschen nach dem Kontakt mit mir ist – „happy body“ mit happy feeling?
Das sind nur die letzten der vielen, fast täglich zu treffenden Entscheidungen, die jede und jeder in dieser oder jener Weise zu treffen hat. Ob er es auch tut, das ist eine ganz andere Frage.
Mir fallen diese Entscheidungen mittlerweile leicht. Auch die grundlegenderen, wie sie die Antwort auf die in der Körperglück-Premierenlesung mehrfach gestellte Frage zum Ausdruck bringt: „Warum schreibst du?“
Meine Antwort war jedes Mal ein wenig anders, weil nicht vorab überlegt: weil es mich interessiert, ich dem folge, nachgehe, was mich wirklich antreibt und beschäftigt. Mein Interesse lotst mich auf meinem Weg durchs Leben, Schritt für Schritt. Eines folgt dem anderen, kann nicht von vornherein durchgeplant werden, es fügt sich erst auf dem Weg. So gedeihen die Dinge, erfüllt sich meine Lebensaufgabe. Und nicht weniger wichtig: Es gibt keine Zeit, die aufregender und schöner wäre. Frei von eingefahrenen Routinen und Sachzwängen zu agieren, alles so zu denken und zu tun, wie es im nichtrationalistischen JETZT dran ist. Wunderbar erfrischend, ein Vergnügen – genau wie die mit euch geteilte Zeit.
Ich bin gern mit euch ab- und eingetaucht in unsere gemeinsame Lesezeit. Habe euer anregendes Gemurmel und die Gespräche, die zischende Kaffeemaschine und den leckeren Kuchenduft, die gastliche Atmosphäre und überhaupt alles genossen. Es war fein! Ein Träumchen mit euch allen – vor und hinter dem Tresen. Ich denke, ihr stimmt mir zu. Das Geheimnis der besonderen Momente und Kulinarik im „das fein“: beste Zutaten in Regalen und auf dem Teller, zelebriert mit entspannter Herzlichkeit. Ein wahrer Überfluss an Genuss und leisem Luxus.
VIELEN DANK.

PS: Letztendlich geht es um (meine) bewusste(n) Entscheidungen gegen Größe und die damit verbundene routiniert-professionalisiertere Kälte; Entscheidungen für „das fein“ als Lesungsort und meinen neuen Namenszusatz „the happy body“ als Horte für Offenheit, Herzenswärme und Seelennahrung.

PPS: Danke für eure bewegten Rückmeldungen über meine „besonderen Bücher“. Ich freue mich, wenn ihr auf dem Heimweg tiefe, anregende Gespräche hattet – über eueren, von Lesung und Buch angeregten „Kram“. Ich freu mich über euer ein- und mitschwingen, eueren Zugang zu den Yve, Tom und Einsten in den Mund gelegten Worten. Ihr folgt dem Impuls, den meine Worte in euch auslösen möchten, spürt und versteht sehr fein, wo sich mein Text in euch hinbewegen will.

© GST – the happy body

# 49 – Vorab erste Zeilen vom zweiten Körperroman „ZUHAUSE“

  • dezeitiger Untertitel: Körper – Yves Resonanzraum des Lebens
  • Wobei, alle Titel, Untertitel und Namen sind noch Arbeitstitel – wer weiß schon im Prozess des Schreibens, wo die Buchstaben sich noch hinbewegen wollen?

Zuhause ist kein Ort.
Nirgendwo auf dieser Welt.
Zuhause, das sind Erinnerungen, aufsteigende Bilder.
Düfte, Klänge der Natur im Jahreslauf.
Die dazugehörigen Kräuter, Küchengerüche und Speisen.
Die täglich zu- und abnehmende Intensität der Sonne auf meiner Haut.
Die mich anströmende Luft, mit ihrer Trockenheit und Feuchte, die die Welt zu mir heranträgt.
In mein Tun hinein. Tief in mich, mein Sein.

Zuhause, das finden meine, über Jahrzehnte feingestimmten, Sinne, wenn sie der Welt zuhören, sich ihr zuwenden. Wenn sie an mir tief Vertrautem anknüpfen, das unvorstellbar weiter als meine eigene Lebensspanne zurückzureichen scheint und mit Sicherheit die meine um Äonen überdauert. Auf dem Weg nach Hause fand ich subtile Hinweise und Geschichten, die weit tiefer gingen, als ich mir je hätte vorstellen können.

Mein Zuhause ist eng mit dem Rhythmus der Natur im Lebensraum meiner Ur-Ahninnen verwoben. Über Jahrhunderte lebten sie dort, kehrten immer dahin zurück. Auch ich scheine fest verankert in jenem Breiten- und Längengrad, zog es mich doch zu jenem Ort, an dem sie Jahrhunderte lebten. Nichts von der mir verschwiegenen Ahninnen-Heimat wissend, leiteten mich meine Sinne recht früh im Leben zu ihrem Ort – ohne, dass ich um die Bedeutung dieses Fleckens Erde für mich, mein Sein, wusste.

Ich empfand ihn aufgeladen, zauberhaft und unfassbar wohltuend für mich und mein geplagtes Körperchen. Dort spürte ich zum ersten Mal ein völlig unbekanntes, mich überwältigendes Erkennen und Erkanntwerden. Und gleichzeitig war da ein neues, tiefes Angepiekst -und Provoziertsein von der Welt deutlich fühlbar.

Was war das? Es ging mir nicht aus dem Kopf, keine Minute. Nicht am Tag, nicht in der Nacht. War es überhaupt in meinem Kopf? War es nicht überall in mir?

Noch vor Ort beschloss ich, jener eindringlichen, unfassbaren Irritation meines Wesens auf den Grund zu gehen. Meine bewusste Suche nach dem, was meinem Körperchen zum richtigen Körper fehlte, nahm ihren Lauf. Meine Antennen gingen auf Empfang.

Jahrzehnte später lichtete sich mein Tasten und Suchen nach dem Im-Körper-Landen-Wollen und Mich-Zuhause-Fühlen-Können, schlagartig. Alle in den vielen Jahren gegangenen Schritte fügen sich rückblickend zu einem einzigartigen, schlüssigen Weg, bilden ein jederzeit sicher verwobenes, mich haltendes Band. Ich nenne es „My woven Luxuries“, die mich sicher ans Ziel und weiter, zu erfüllendem Sinn, finden ließen.

Nichts vom ‚gewebten Luxus‘ war mir vorher bekannt, weder der Webstuhl noch die verschiedenen Garne und schon gar nicht die vielen Möglichkeiten der Bindung von Kett- und Schussfäden. Meine Webversuche führten mich durch unglaubliche Höhen und unfassbare Tiefen, ließen mich zweifeln und neuen Mut finden, fallen und wieder aufstehen. Je ungestümer ich voran wollte, desto weiter warf es mich in meine Starre und mein Nichtkönnen zurück. Unzählige Rückschläge lehrten mich weit mehr als Ausdauer und erneut zu beginnen. Sie brachten mich erst in die ersehnte Beweglichkeit, gefolgt von unerwarteter Bewegung und dem Gefühl des Passens zu meiner geistig unaufgeregten Bewegtheit – beim ununterbrochenen Spinnen und Verweben der täglichen Momente zu meinem Zuhause Sein im Leben.

Erst die zahlreichen Hindernisse, Stolpersteine und Ehrenrunden auf meinem Weg machten mich zur ganzen, zur vollständigen Menschin ‒ und zu der Yve, die ich heute bin.

So Sie / du mich schon aus dem ersten Körperroman kennst, hier werden Sie / wirst du lesen, wie ich wurde, wer ich bin. Was Tom und Einstein damit zu tun haben – meine Freunde für die Ewigkeit. Nichts mit vergessenen Namen und verblassten Bildern aus meiner Jugendzeit. Die beiden reifen mit mir seit Jahrzehnten am Leben, rücken mir immer dichter auf und unter die Pelle, werden noch heute immer zuverlässigere, treue Gefährten.

Ein Hinweis zum Sprachgebrauch in diesem Buch: Ich werde Sie / dich mit einem respektvollen Du im weiteren Verlauf anreden, wenn ich dich zu eigenen Reflexionen einlade. Diese Einladungen kannst du annehmen, einfach überlesen oder ablehnen. Wie auch immer deine Wahl ausfällt: Ich wünsche dir immenses Lesevergnügen und zunehmendes Körperglück.

Bleib natürlich, bleib bei dir. Ich freu mich auf dich!

Nachtrag zu #45 – zwei Links zur „Vehrkehrsteilnehmerschulung“

Ihr Lieben,
ich hätte nie gedacht, dass meine Bemerkungen – im No_Blog #45 – zu Fahrradfahrern und deren Citycruisen so viele Gespräche auslösen und Fragen aufwerfen – sind wir doch alle selbst auf zwei und vier Rädern unterwegs.
Wir haben diskutiert, geraten und sogar bei Polizisten nachgefragt: Wie ist dieses und jenes geregelt? Für die zwei und vier Räder, am Ende auch für die zwei Beine auf dem Fußweg.
Hier zwei erhellende Lesetipps:

https://www.mdr.de/nachrichten/deutschland/panorama/fahrrad-schutzstreifen-autos-gefahr-verkehr-100.html

https://www.mdr.de/ratgeber/mobilitaet/fahrrad-irrtuemer-regeln-check-100.html

… nicht ganz einfach, wie der Experte selbst meinte.
Bleibt: Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme – wie bisher, wenn auch in konkreten Situationen oftmals ausbaubar.

Ich vermute, mit den aktuellen Verkehrskonzepten ist kein Verkehrsplaner und kein Verkehrsteilnehmer glücklich, alle müssen sich den verfügbaren Platz weiter teilen – bei ausgedünnten Fahrplänen des öffentlichen Nahverkehrs, E-Roller-Bergen auf engen Bürgersteigen und unzählbaren Baustellen.

Nicht zu vergessen dabei: Ein, in dem Verkehrschaos seit Jahren von Baustellen umzingelter, kaum planmäßig erreichbarer, mitten in der Stadt liegender Hauptbahnhof.
Wobei – der dauergeförderte, kaum Flugverkehr habende Regionalflughafen am Stadtrand hat eine gut ausgebaute Straßenbahnanbindung. Wie wäre es, den zu schließen, die Fördermittel für den Umbau in einen gut erreichbaren ICE-Knotenbahnhof Erfurt dort zu investieren … aber nein, da ist wohl eine gute Bahnverbindung zwischen Jena und Erfurt dringlicher … oder, oder … doch lieber die ungefährlichste, eigenverantwortliche Lösung: Erfurt weiterhin meiden, wo es nur geht?

Cool down, take your time and take it easy. Keep smiling.

# 48 – Morgen, nächstes Mal, wird es besser.

Meine Tiktak-(Ur-)Oma – vielleicht kennst du sie, und die Geschichte ihres Namens aus meinem Buch – sagte immer, wenn etwas nicht wie gewollt klappte: „Glaub’ mir, nächstes Mal wird es besser!“

Ich liebe diesen Satz noch heute. Hoffe noch immer, dass er jedes Mal – wenn ich ihn mir nun selbst sage, Tiktak ist längst friedlich heimgegangen – die Gefühle von hoffnungsvoll, offenherzig und ein wenig unbeholfen erneut aufkommen lässt. Ein Mix, der in mir, meinem Hirn, Herz und Körper den Anfängergeist in einer Sache, einem Tun erweckt – egal, wie weit ich schon darin fortgeschritten bin.
Also ja, mein nächstes Mal, mein nächster Schritt wird besser sein. Gewiss.

Altes und neues Wissen, tägliche Praxis – auch im Lesen jahrtausendealter Quellen – haben mich reifen lassen und gewandelt, neue Bahnen und Qualitäten in mir ins Spielen gebracht. Ein großer Wendepunkt scheint anzustehen. Ich bin mitten darin. Nicht verloren, nein, voller Zuversicht und hoffnungsfroh der Dinge, die sich gerade anbahnen und entwickeln.

Innerlich war der letzte Tag des diesjährigen Sommerfests mein letzter Tag an dem Ort, den ich – zu Beginn „Nachhaltiges Erfolgstraining“, dann „Das Studio ST“ und bis heute „Bewegungsfreude Institut Thieme“ – mein berufliches Zuhause der letzten Jahrzehnte nannte.
Viel gemeinsame Zeit voller Licht, Zusammenkünften stiller Kreativität und unzählige, heitere Telefonate liegen hinter uns. Allen, die durch meine Türen traten, um mit mir zu arbeiten, an einem Workshop teilzunehmen, eine Idee mitzuteilen, in Stille und Freude zu lernen: Herzlicher Dank!

Zum Jahresende schließe ich unsere gewohnte, gemeinsame Basis.

Während ich in den letzten Tagen liegen gebliebene Arbeiten beendete und Erinnerungen sortierte, wurde mir klar, dass das Aufräumen, das Nachdenken und Loslassen des Alten bereits eine Art Vorbereitung ist – für das nächste Kapitel, den nächsten Raum, die nächste Geschichte. Gern mit dir, mit euch. Denn, als ich beschloss, die bisherigen Türen zu schließen, hatten meine Füße bereits einen Schritt nach vorn gemacht. Ich hatte bereits begonnen, mich still und leise auf eine neue Begegnung mit euch zuzubewegen.

Gerade jetzt, beim Schreiben dieser Zeilen, hat sich der Sommerhimmel über mir – nach Tagen voller Hitze und Nächten voller Sterne – bedeckt. Ein warmer Wind scheint Sommerregen heranzutragen. Ich freue mich auf den Duft des Regens, seine vielen Düfte vor, während und nach den Tropfen. Ein Innehalten und freies Atmen inmitten des Wandels. Erinnerungen an die Sommer der Kindheit – als reiche Sommerregen die Straße vorm Haus fluteten und wir Kinder die Badesachen anzogen, um im vorbeifließenden Wasser zu planschen – steigen auf. Welch ein Paradies war das!
Heute, Jahrzehnte später, befinden die Welt und ich uns zwischen den Räumen. Eine andere, eigene Art von Paradies. Ein Ort voller Inspiration, der mich an den Wert des Dazwischen-Seins, an die Schönheit des die Zeiten verbindenden Alltäglichen erinnert, der sich jeder exakten Benennung und Kategorisierung entzieht. Mein Tun, meine Texte und Rhythmen leben jenseits einer verdinglichten Definition, Methode oder erstarrtem, festgelegtem Wissen.

Die bevorstehende, kurze Sommerpause wird – angefüllt mit dem von mir „Rumtrödeln“ genannten Zeitvertreib, der der Reflexion und dem fantasievollen Wissen-Einsinkenlassen dient – zu einem intensiven Abschlussmoment der letzten Jahrzehnte werden. Dabei wird sich der längst angelegte Neuanfang und ein sanfter Wandel in das, was als Nächstes kommt, zeigen – neben dem bereits begonnenem Schreibvergnügen am nächsten Körperroman, der durch Yves „Augen“ auf die Welt schaut.

Ach Tiktak und Tiketak-(Ur-Ur-)Oma, ihr mit eurem „nächstes Mal wird es besser“, da habt ihr was angerichtet … aber, ich freu mich … auch dieses Mal wieder, wie immer … darauf. Noch mehr freue ich mich auf dich, mein Leser, meine Leserin – auf euch alle!

Möge dein Sommer dir stille Freuden, unerwartete Begegnungen und zum Himmel schwebende Zukunftswünsche bringen.
Auch wie immer, ich wünsche dir: Bleib natürlich, bleib bei dir. Ich freu mich auf dich!

P.S. Ich glaube, dass das Wünschen – tief und leise – immer eine Möglichkeit ist, auf dem eigenen Weg voranzukommen. Kenne deine Wünsche, sie weisen dir deinen Weg, setzen deinen Fokus.