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Archiv: No_Blog Beiträge

’36 – BFK-Impuls 3: Die Heuschrecke

Bitte lies das INTRO aus ’34 zuerst.

Die Heuschrecke – gern mit Froschfüßen und -händen

Gern kannst du die Froschfußqualität mit einfließen lassen. Die Hände erlernen diese Qualität heute.
Erinnere dich kurz an die typischen Qualitäten unseres Arbeitens und beginne:


Begib dich in Bauchlage, deine Hände lege neben die Schultern, die Handflächen nach unten.
Es sollte bequem für dich sein.
Lande in Ruhe in dieser Lage. Sortiere dich.


Nun drücke aus den Händen den Oberkörper nach oben.
Präge dir diese Wahrnehmung ein. Wie fühlt sich der Bewegungsablauf an?
Lege den Oberkörper wieder ab – diese erste Variante wollen wir heute nicht.
Die erinnert an Sport, da ist das richtig.


Jetzt bringe Kraft in die Wirbelsäule und bringe ohne Handkraft den Oberkörper nach oben.
Präge dir diese Wahrnehmung ein. Wie fühlt sich der Bewegungsablauf an?
Lege den Oberkörper wieder ab – auch diese zweite Variante wollen wir heute nicht.
Das ist eher Yoga oder Pilates – auch hier nicht gewünscht.


Jetzt bringe eine Handfläche in aktiven Kontakt mit dem Boden und spüre, wie der Unterarm bis zum Ellenbogen reagieren will.
Lass die Schulter passiv. Versuche es, bis es klappt, mit der passiven Schulter. Gehe dann erst weiter.
Versuche es nicht zu machen. Suche den Impuls, der den Ellenbogen freigibt. Gehe noch nicht in den Oberarm.


Zunehmender Druck der Handfläche in den Boden sollte dann deinen Ellenbogen aufsteigen lassen.
Die Schulter bleibt passiv! Darf mit passiver, lockerer Bewegung reagieren.
Das Resultat nach einigem geduldigen Üben: Hand und Schulter sind auf dem Boden, der Ellenbogen ist über eine Halbkreisbewegung nach oben gekommen, steht irgendwann senkrecht zur Decke.


Kannst du den Unterschied zu den beiden anderen Varianten spüren?
Fühlst du deinen Heuschreckenarm?
Wie fühlt es sich im ganzen Körper an?


Kannst du dich dann über die 3 offen, beweglichen Gelenke: Handgelenk, Ellenbogen und Schultergelenk auf der einen Seite nach oben arbeiten? Ohne dass ein Gelenk fest wird?
Gern mit oder aus der Froschhand!


Kannst du wahrnehmen: Vordergründig ist da keine Muskelaktivität, keine Muskelanspannung.
Nur der Faszienzug der beanspruchten Faszienkette, die in den ganzen Körper arbeitet.
Bis wohin? Zu den Rippen? Bis zur Hüfte? Durch die Hüfte hindurch?


Pausiere und fühle: Wie ist der Arm jetzt? Ist er angespannter? Lockerer?
Wie ist der Übergang von der Schulter zum Kopf?
Kannst du den Unterschied zu Variante 1 und 2 vom Beginn des Experiments erfassen?


Schau innerlich noch mal in deinen Arm (und die Schulter).
Nimm die Qualität wahr.
Wie fühlt er sich jetzt an?


Stehe langsam, wirklich langsam auf und achte darauf, sicher zu stehen.
Wie fühlt sich dein Arm/Oberkörper/Kopf/Rücken/Stehen jetzt an?
Wenn du dich gut organisiert und sicher fühlst, beginne vorsichtig zu laufen.


Wie fühlt sich dein Laufen an?
Wie lang sind deine Arme? Wie lang ist dein Hals? Wo sind die Schulterblätter? Wo ist der Kopf?
Wie ist dein Atem?
Vergleiche jeweils rechts und links – vorn und hinten.
Welche Unterschiede bemerkst du zu vor dem Experiment?


Je nach deiner Routine mit solchen Experimenten ist von ‚wie immer‘ bis ‚Hang-Huhn‘ jede Option möglich. Und es ist völlig in Ordnung, wenn es für dich keinen Unterschied gibt!
Jetzt ist der andere Arm dran: Starte bitte oben neu!


Wenn du beide Arme schon gearbeitet hast:
Erinnere dich, wie hat sich dein Schultergürtel, dein Kopf, dein Oberkörper –
dein Gang und deine Aufrichtung am Anfang der Stunde angefühlt?
Wie ist es jetzt?
Wie geht es dir jetzt? Was macht dein Atem?
Spürtst du mehr Präsenz? Spürtst du deine Ausdruckskraft?


Nimm den Zettel und Stift, schreibe, zeichne, skizziere deinen Aha-Effekt.
Hat sich was verändert?
Wenn ja, was ist das Beeindruckendste für dich dabei?


Experimentiere das gern jeden Tag einige Minuten neu.

BFK – Bewegungsforschungskollektiv

© Grit Silke Thieme

’35 – BFK-Impuls 2: Der Kran

Bitte lies das INTRO aus ’34 zuerst.

Der Kran – gern mit Froschfüßen (aus ’34)

Dieser Impuls nutzt das ganze Bein. Gern dürfen die Frosch-Fußqualitäten aus ’34 einfließen.
Bitte erinnere dich kurz an die typischen Qualitäten des Expertimentierens und beginne:


Begib dich in Rückenlage, stelle die Beine an.
Bewege die Füße so nah wie möglich an den Po – es sollte aber bequem für dich sein.
Je näher die Füße am Po sind, desto leichter reagiert dein Körper.
Lande in Ruhe in dieser Lage. Sortiere dich.


Bitte lauf ein paar Schritte und spüre, wie sich dein Laufen anfühlt.
Präge dir diese Wahrnehmung ein.
Achte besonders auf deine Füße, Knie und das Becken sowie den Gesamteindruck.


Danach starte mit einem Bein. Das andere Bein wird später genau diesen Ablauf auch durchlaufen.
Sofern es während der Übung unangenehm für das andere Bein wird, starte sofort oben neu mit dem anderen Bein.


Lasse den Fuß breit und weich werden, gib dir Zeit dabei, lass den Fuß fließen.
Du darfst mit den Zehen wackeln, darfst sie strecken, jede einzeln oder als Gruppe(n).
Wenn das Bein eine andere Position will, gib dem nach und bleibe dabei in den Füßen.


Spüre, wie das Gewicht der Wade in den Knöchel sinkt.
Was tut dein Knöchel? Kannst du wahrnehmen, wie der Knöchel nachgibt? Weicher wird?
Wie der Fuß mehr Gewicht bekommt?


Wie fühlt es sich im ganzen Körper an?
Wie geht es deinem Oberschenkel in diesem Bein?
Wie der Hüfte?


Kannst du das angestellte Knie wie eine alte TV-Radioantenne nach schräg vorn und oben, in Verlängerung des Oberschenkels, hinausschieben?
Dabei die Hüfte auf dem Boden liegen lassen? Also nicht aus Hüftaktivität das Knie hochschieben?


Lass die Hüfte am Boden und lass das Knie über die Faszie die Hüfte anheben.
Keine Muskelaktivität. Keine Muskelanspannung.
Faszienzug, der aus dem Knie durch den Oberschenkel in den ganzen Körper arbeitet.


Pausiere und fühle: Wie ist das Bein jetzt? Ist es angespannter? Lockerer?
Spüre vom Fuß ins ganze Bein und die Hüfte.
Fortgeschrittene: Seid ihr im Kopf angekommen? Wer hat wo nicht mitgemacht? Gab es Umwege?


Schau innerlich nochmal zum Fuß.
Nimm seine Qualität wahr.
Wie fühlt er sich jetzt an?


Stehe langsam, wirklich langsam auf und achte darauf, sicher zu stehen.
Wie fühlt sich dein Stehen jetzt an?
Wenn du dich gut organisiert und sicher fühlst, beginne vorsichtig zu laufen.


Wie fühlt sich dein Laufen an?
Was ist passiert?
Welche Unterschiede bemerkst du zu vor dem Experiment?


Je nach deiner Routine mit solchen Expertimenten ist von ‚wie immer‘ bis ‚Hang-Huhn‘ jede Option möglich. Und es ist völlig in Ordnung, wenn es für dich keinen Unterschied gibt!
Jetzt ist das andere Bein dran: Starte bitte oben neu!


Wenn du beide Beine schon gearbeitet hast:
Erinnere dich, wie haben sich deine Füße, dein Gang, deine Aufrichtung am Anfang angefühlt?
Wie ist es jetzt?
Wie geht es dir jetzt?


Nimm den Zettel und Stift, schreibe, zeichne, skizziere deinen Aha-Effekt.
Hat sich was verändert?
Wenn ja, was ist das Beeindruckendste für dich dabei?


Expertimentiere das gern jeden Tag einige Minuten. Du wirst staunen!


BFK – Bewegungsforschungskollektiv

© Grit Silke Thieme

’34 – BFK-Impuls 1: Der Froschfuß

INTRO:
Alle folgenden Expertimente dienen der „Körper-Bildung“ und Ausdruckskraft.
Du wirst dein bisheriges Wissen, wie dein Körper funktioniert und sich bewegt, praktisch an dir selbst überprüfen. Unglaubliche Dinge werden sich dir aufzeigen und für tiefes Staunen und zunehmend für neue Denk- und Handlungsmuster sorgen.

Die Beschreibungen sind nicht für alleiniges Neueinsteigen gedacht und geeignet – sie sind nur kurze Erinnerungen für die Teilnehmer eines BFK-Impulses.

Die Expertimente bauen aufeinander auf. Es wäre durchaus angebracht, das jeweilige Expertiment in den folgenden Tagen und Wochen bis zum nächsten Impuls zu vertiefen. Am besten immer mal wieder in den Alltag einbauen. Das öffnet deine Wahrnehmung für das, was sich in dir spannt, und das, was loslässt. Und du hast natürlich den tollen Effekt des Loslassens, kannst diesen von Mal zu Mal besser wahrnehmen und tiefer auskosten. Den Effekt kannst du noch intensivieren, wenn du wirklich erst die eine Körperseite arbeitest und danach in Ruhe und im Gehen von ein paar Schritten im Raum nachwirken lässt und dann erst die andere Seite. Du wirst staunen, welche Ausdruckskraft du durch das Im-Körper-Erkennen und Loslassen deiner alten Muster erreichen kannst!

INTRO Ende.

Bitte lege dir 2 oder 3 Walnüsse bereit.

Erinnere dich an die Qualitäten des Arbeitens:
1. Umschließen der Nuss und daraufhin haptisch mit der Zehe die Oberfläche der Nuss ertasten. Ist da die dicke Wulst wahrnehmbar?
2. Zehe nach vorn tropfen lassen.
3. Zehe einzeln – so gut es geht – einen Millimeter hin und her, vor und zurück auf der Nuss bewegen.
4. Andere Zehen so gut es geht einfach seinzulassen – weder gegenspannen noch entspannen.
Schaut, was beim Länge-im-Zeh-Bekommen in der Wade, im Oberschenkel, im Beckenboden, im Hals und Kiefer passiert.
Es ist völlig ok, wenn du meintst, da passiert nichts – du kannst es vielleicht noch nicht wahrnehmen, es passiert trotzdem.
5. Aufspannen des Froschfußes – wie fühlt es sich im Fuß an? Was passiert? Hat der Knöchel was davon? Wer noch im Körper hat noch was davon? Kann du dich losgelassen auf ein funktionierendes, vom Fuß aus angesprochenes fasziales System einlassen?

Erinnert euch an das: Spürt nach der Übung in euren Körper, nehmt wahr, was ihr spürt:
Typischerweise schaut ihr zuerst: Wo tut es noch weh? Wo tut es jetzt neu weh? Wie tut es weh? Das interessiert den Mediziner und Physiotherapeuten, uns hier jedoch gar nicht!
Schaue: Wie stehe ich jetzt? Wenn ich gehe – Ist etwas an Bewegungsradius dazugekommen? Im Fuß? Im Knie? In den Hüften? Wie hat sich die Bewegungsqualität verändert – weicher/fester, lockerer/gehaltener, gerader/versetzter, durchfließender/dichter? In den gearbeiteten Körperstellen und dann immer weiter schauend, bis zum ganzen Körper, bis hin zu deiner Bewegung im Raum. Nimmst du dir jetzt mehr Raum? Füllst du ihn? Wie wirst du jetzt von anderen wahrganommen?

Wenn du „nur“ schaust ob die alten Befindlichkeiten noch da sind, gehen dir ganz viele Nebeninformationen verloren, da du immer weißt, was du suchst. – So kannst du viele schöne und neue Wahrnehmungsleitungen um die Baustelle herum gar nicht wahrnehmen, nutzen. Wenn aber rund um die Baustelle herum wieder mehr los ist, wird automatisch in der Baustelle weniger Betrieb sein. Oder?
Erinnere dich, wie haben sich deine Füße, dein Gang und deine Aufrichtung am Ende der Impulseinheit angefühlt? Wie zu Beginn?
Experimentiere gern jeden Tag neu! Viel Vergnügen dabei wünsche ich dir von ganzem Herzen.

BFK – Bewegungsforschungskollektiv

© Grit Silke Thieme

#33 – Artikelempfehlung: Leben, Sterben und Ursachen von Kriegen

Etliche Stunden des letzten Monats habe ich mit dem Thema Sterbebegleitung verbracht. Viele in mir in dieser Zeit anklingende und in Berührung gekommene Themen brauchen Zeit für das „Transformieren“ meiner Emotionen.
Zwei Links zu einem in dieser Zeit gelesenen, mich sehr beeindruckenden Artikel zum großen Bogen Leben, Tod und Kriege von Dr. Ludwig Janus möchte ich mit euch teilen:
https://ludwig-janus.de/images/Downloads/U%CC%88berlegungen%20zu%20den%20psychologischen%20und%20psychohistorischen-V2.pdf
und ausführlicher, umfassender:
https://ludwig-janus.de/images/Downloads/Warum%20Krieg_Psyche.pdf
Dr. Janus hat etliche weitere interessante Artikel auf seiner Website unter „Downloads“ hinterlegt. Für mich lesen sich viele wie der Background zum aktuellen Zeitgeschehen. Viel Freude beim Lesen und Wirkenlassen.

© Grit Silke Thieme

#32 – Mit innerem Frieden leben, auch wenn es scheint, „die“ Welt geht unter

Ohne jede Frage: Wir leben in weltweit anspruchsvollen, transformativen Zeiten. Vor allem in Deutschland haben wir nach ruhigen Jahren des Verschlafens der Innovation und Instandhaltung nun dauerhaft chaotischen Streit um das Aufholen der verpassten Chancen der Vergangenheit – statt den Status quo zu erfassen, anzusehen, zu akzeptieren und von dort aus loszugehen.

Vor allem in der Vorweihnachtszeit, einer eher mit Ruhe und innerer Einkehr in Natur und Mensch verbundenen Zeit, scheint „die Welt“ sich noch schneller, fast schon hektisch, zu drehen.
Eine alte Kundin sagte vor einigen Tagen zu mir: „Ach, wissen Sie, früher war im Oktober das Laub runter und weggefegt, im November war dann viel Zeit und Ruhe und im Dezember hat man beim Stollen- und Plätzchenbacken angefangen, im Kopf die Pläne für die Gartenaussaat im Frühjahr zu machen. Heute fällt das Laub bis Weihnachten und man hat die ganze Zeit damit zu tun. Zwischendrin gibt es schon Schnee und die Blätter fallen auf den Schnee. Das ist doch total verrückt, oder? Ständig muss man auf Achse sein“, sprach die 91-Jährige.
Meine ersten Sätze darauf waren: „Ja, und es gibt bei 35 Grad im August die ersten Pfefferkuchen zu kaufen. Stellen Sie sich vor, Sie sind noch ein Kind und kennen es nicht anders. Da ist es völlig normal, im August Pfefferkuchen kaufen zu können. Da hilft es nicht, an den Geschäften und Geschäftsleuten rumzunörgeln. Sie sagen ja selbst, die klassischen Jahresrhythmen sind auch in der Natur nicht mehr vorhanden – damit machen auch viele traditionelle Gepflogenheiten keinen offensichtlichen Sinn mehr. Verrückte Welt, da haben Sie im wahrsten Wortsinn Recht.“

Am Ende fanden wir über einen längeren Austausch und zauberhafte alte Geschichten den Konsens: Herzlichkeit dem Leben gegenüber, sich selbst treu und der Welt sowie anderen gegenüber offen zu bleiben, sich gegenseitig zuzuhören, wirklich in gelebten Kontakt miteinander zu kommen, das ist eine tragfähige Einstellung. Denn dann gibt es keine Welt mehr, weil wir die Welt sind, sie zu dem machen, was sie ist. Mit unserem täglichen Denken und Tun. Mit der erzählten Geschichte für die August-Pfefferkuchenkäufer: Wissen Sie, als ich noch Kind war, war ein Pfefferkuchen eine ganz auserlesene Süßigkeit, etwas Besonderes, was es nur zu Weihnachten gab. Die edlen und wohlschmeckenden Zutaten waren sehr teuer und nahrhaft. Genau richtig für die dunkle, kalte Jahreszeit, in der es kaum noch Frisches aus dem Garten gab. Wenn es dann Dezember wurde und die Weihnachtsbäckerei begann, da war er der Zauber, die Gerüche, die Vorfreude.
Und nicht zuletzt braucht es die Gegenfrage: „Was macht für Sie diesen Zauber aus? Was ist das Besondere für Sie an den dunklen Tagen um die Weihnachtszeit? Können Sie mir da bitte ein Update erzählen?“ – „Ich kenne es nur, wie ich es eben kenne. Verstehe die heutige Zeit nicht mehr.“

→ Wir sind mehr als ein physischer Körper, der steht, wo er steht. Er kann sich bewegen, auf andere zu oder ins Einigeln, weil früher alles besser war. Oder eben einfach nur vertrauter, für den, der da lebte und seine Routinen gebildet hat. Am Ende werden wir Menschen immer älter und es leben immer mehr Generationen mit oder nebeneinander – in einer sich schnell verändernden Welt. Mögen die vielen, vielen Familientreffen zu Weihnachten zu einem wechselseitigen Geschichtenerzählevent aller Generationen werden!
© Grit Silke Thieme

#31 – Die Freude des Lebens in einem alternden Körper

Was für ein Thema! Ich liebe es – wollte ich doch schon immer gern 50-Jahre alt werden!

Erinnert ihr euch noch an die klassischen Präsentkörbe für Jubilare ab 50 mit den gold- oder silberfarbigen Pappschildern der passenden Jahreszahl drin? Einfallslos und gruselig, oder? Heute würde man sicher das Wort diskriminierend verwenden.

Ich finde es bis heute schwierig, eine fröhliche Gratulationskarte für eine Person ab 50 und aufwärts zu finden. Da ist ein riesiges Angebot mit abwertenden Bemerkungen zu finden. Die oftmals lustig gemeinte Sprache und Darstellung darauf ändert nichts an der Abwertung und Altersdiskriminierung – finde ich.

Auch trägt die typisch dargestellte Lebenskurve, mit einem Bergauf bis zur Lebensmitte und einem Bergab ab allem, was danach kommt, zu einem Klischeebild des Alters bei, das auch in der medizinischen Sprache – besonders für Frauen – prägend ist. Oder die jungen, schlanken, knapp bekleideten Frauen in der Werbung: Warum sollte mir eine junge Frau z. B. den Erfolg einer Gesichtscreme gegen Falten vorführen? Wer hat in diesem Alter Falten? Für die danach kommenden Jahre bleibt die Werbeaussage pure Behauptung.

Was macht also die Freude des Alterns, die gesellschaftlich weder sichtbar-, noch zelebriert wird, aus?
Wir „Alten“ haben viel erlebt, viel durchgestanden, Höhen und Tiefen gemeistert. Wir bekommen keine schwitzigen Hände vor einer Prüfung mehr, wir sind an und in unserem Leben gewachsen und gereift. Wir finden es toll, älter zu werden und zu wissen, was uns ausmacht. Dadurch haben wir unsere ureigene Lebensqualität gefunden. Wohnen eingebettet im eigenen Körper, kennen seine Stärken und Schwächen und wissen, damit umzugehen. Unser Körperbild und Selbstwertgefühl stammen aus diesem tiefen Inneren. Wir haben ein Körpergefühl für unser Wohlbefinden entwickelt und leisten es uns, darauf zu hören. Wir haben aufgehört, darüber nachzudenken, wie wir von außen aussehen, wirken.
Wir müssen weder uns noch anderen beweisen, dass es so ist. Sollten all das viel öfter verkünden und feiern – auf dass die äußerlichen Abwertungen, auch hier dem Zeitgeist folgend, sich ändern und irgendwann aufhören.

Und nicht zu vergessen: Wir haben dank der Hirnforschung gelernt und verstanden, dass man Menschen, denen man immer mehr Unterscheidungsgefühl und differenziertes Wissen beibringt, gleichzeitig mehr Mitgefühl beibringen muss. Mit sich selbst und mit denen, von denen man sich abgrenzt. Sonst gibt es keine Gemeinschaft oder Gesellschaft mehr, sondern nur noch sich gegenüberstehende Einzelne.

Wir sind nicht glücklich über unsere Falten und unser erschlaffendes Gewebe – wir nehmen es einfach als gelebtes Leben hin und akzeptieren es. Stehen zu unserem Glücklichsein in uns mit unserem Leben.

© Grit Silke Thieme – inspiriert von Susan Sands: On the Surprising Pleasures of Living in an Aging Body