# 55 – Yve: Der vergessene Zauber echter Tee- und Kaffeepausen
Während der Sommer unter dem nun abnehmenden Mond noch nachklingt, sein sanftes Licht mich an große Zyklen und sanfte Übergänge erinnert, freue ich mich, eine Momentaufnahme vom Sabbatical-Jahr zu teilen.
Tom ist, mit Einsteins Sondererlaubnis, seit Tagen mit seinem neuen Kumpel Visky auf dem Segler unterwegs. Nicht weit draußen, wir können uns per Fernglas beäugen. Wir tun es in besonderen Momenten, völlig ohne Absprache. Jeden Nachmittag erwischen Einstein und ich Tom vorn auf dem Bug sitzend, mit seiner angeschepperten, alten Lieblingstasse in der Hand. Er schaut ruhig und zufrieden aus. Nichts von seiner alten, teilweise fast hektischen Getriebenheit weit und breit zu sehen, nicht mal zu ahnen.
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Unsere gemeinsamen Dreier-Aktivitäten waren schon immer ein ‚Ort‘, ein ‚Raum‘, an dem jeder von uns, in seiner eigenen Ruhe, sorgfältig ausgewählte Projekte und Gedanken in sich entdecken, besprechen und entwickeln konnte. Die in unserem Ort / Raum transformiert, bearbeitet, geschätzt werden und danach gelassen, fast behäbig wirkend, in unseren Alltag passen.
In diesem Sinn: Ich lade euch alle ein, noch ein Stück langsamer zu werden, noch ein wenig länger in sich ruhend zu verweilen und von dort eure To-do und Ta-taas anzugehen, anzuschleichen. Glaubt mir, sie werden dadurch schneller fertig, schöner fertig.
Lasst mich ein Beispiel geben: Inspiriert von der nostalgischen Atmosphäre der Pausenecke in einer alten japanischen Webwerkstatt, richtete ich wie immer bei unseren Treffen auch hier an unserer Sabbatical-Home-Base eine kleine Pausenecke ein, in der wir sorgfältig Kaffee und Tee zubereiten und eine kleine Auswahl an jeweils regional-saisonalen Süßigkeiten genießen können.
Traditionell ist diese schlicht-gemütlich-leere Raumecke, in der sich Menschen treffen, um sich geistig zu erfrischen, kleine Erfrischungen zu genießen und einen Moment der Ruhe zu finden. Es ist eher ein stilles Beieinandersitzen, auf wunderschönen, eher schon abgenutzt zu nennenden Kissen, dabei kleine Ausblicke in die Natur zu genießen, kurze Erfrischung und Laben von Körper, Augen und Geist, bevor ein langer Arbeitstag weitergeht.
Ich schaffe an all unseren Konferenz- und Meeting-Orten diese spezielle, für uns fast lebensnotwendige zwei bis vier Quadratmeter-Stelle, an der wir innehalten und während der Arbeit einfach einen friedlichen Moment genießen können.
Unser Tun bleibt dadurch genau das, was es schon immer ist – ein ‚Ort‘ für durchdachte Projekte und den Genuss der Schönheit des Alltags – Einladung, einen Gang herunterzuschalten, und während des Platznehmens sich noch ein Stück mehr in der Welt zu platzieren.
Genau das tut Tom derzeit. Er muss wohl mit sich allein sein (ok, Visky, sein neuer vierbeiniger Kumpel, ist dabei), Zeit allein für sich haben. An einem Ort, wo noch weniger um ihn herum los ist.
Aber zu unserer Pausenzeit, als Einstein und ich zusammensaßen und nach Tom mit den Ferngläsern Ausschau hielten, sahen wir ihn auf dem Bug mit seiner ollen Lieblingstasse in der Hand. Jeden Tag wieder. Er sieht glücklich da draußen aus, was auch immer er gerade mit sich auszumachen hat.
Zu gegebener Zeit werden wir und sicher auch ihr es erfahren.
Ich freue mich darauf, von euch, euren sommerlichen Auszeiten, hören zu dürfen, wie ihr weiter in euch, eurem Tun gelandet seid oder einfach nur einen kurzen ruhigen Moment beim Lesen dieser Zeilen genießen konntet.
© GST – the happy body